Yerdo ist ein Dorf im Tur Abdin im Südosten der Türkei. Seine Bewohner leben heute größtenteils in Europa. Was folgt, ist die Geschichte dieses Ortes – so, wie sie in der Gemeinschaft weitergegeben wird, ergänzt um öffentlich dokumentierte Angaben.
Herkunft
Der Name
Der Name des Dorfes geht auf das Syrisch-Aramäische zurück und bedeutet „Quelle“ oder „laufende Quelle“. Er verweist auf die zahlreichen Wasserquellen, für die der Ort bekannt war. In der aramäischen Sprache (Syrisch) erscheint der Name als Yerdo, auf kurdisch heißt das Dorf Erde, der amtliche türkische Name lautet Yamanlar Köyü.
Die Menschen aus dem Dorf nennen sich auf Aramäisch Yerdoye – so heißen sie in dieser Gemeinschaft bis heute, auch in der zweiten und dritten Generation in Europa.


Das Dorf
Lage und Landschaft
Yerdo liegt im Norden des Tur Abdin (aramäisch für „Berg der Knechte Gottes“), rund einen Kilometer von den Ruinen von Bayshon (Babesh) entfernt, im Landkreis Gercüş der Provinz Batman. Die nächstgelegene größere Stadt ist Kfar Gawson (Gercüş). Das Dorf liegt südlich des Flusses Tigris und der Berge des Karakas Daği (Bergkette); der höchste Gipfel misst 1339 Meter über dem Meeresspiegel und liegt zwischen Yerdo und dem Kloster Dayro Daslibo.
Bekannt war Yerdo für die hohen Berge ringsum, die natürlichen Quellen und die grünen Gärten mit Früchten und Gemüse. Die Menschen lebten von Viehzucht und Ackerbau – Weizen, Trauben, Melonen, Gemüse und Feigen. Archäologische Fundstätten in der Umgebung sind vor allem Babesh und Hesno d-Kifo (Hasankeyf).
Geschichte
Zwei Gemeinschaften
Über lange Zeit lebten in Yerdo zwei Gemeinschaften nebeneinander: syrisch-orthodoxe Christen und kurdische Familien, die dem Stamm der Arnas zugerechnet werden – benannt nach dem gleichnamigen Nachbardorf. Im Dorf steht bzw. stand die Kirche Mor Aho.
Vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren wanderten fast alle christlichen Familien aus, überwiegend nach Europa. Von rund dreißig Familien blieb zuletzt eine einzige zurück; seit 2021 lebt keine christliche Person mehr im Dorf. Heute leben über 350 christliche Yerdoye-Familien verteilt über viele europäische Länder.
Gegenwart
Das Dorf heute
Yerdo hat eine kleine Kirche, eine Moschee und eine Grundschule. Die Kirche Mor Aho ist in schlechtem Zustand bzw. ist total verfallen und müsste vollständig saniert werden. Auch der christliche Friedhof war marode und musste vor Tieren, Wind und Regen geschützt werden. Am 26.09.2018 wurde mit Unterstützung von Yerdoye aus Europa eine Schutzmauer mit Stahltor um den Friedhof errichtet. Die Abschlusszeremonie feierten Yerdoye gemeinsam mit Geistlichen und Dorfbewohnern.
Strom- und Wasserleitungen gibt es, wenn auch begrenzt. Die Straßen im Dorf sind teils geteert, teils nicht; die ersten Gassen werden nach und nach gepflastert. Insgesamt sind sie nach wie vor in schlechtem Zustand und im Winter kaum befahrbar.
Zum Nachschlagen
Belegte Angaben
- Türkischer Name
- Yamanlar
- Kurdischer Name
- Erdê
- Syrisch (aramäisch)
- Yerdo – „Quelle“
- Landkreis
- Gercüş, Provinz Batman
- Region
- Tur Abdin
- Lage
- 37°32′49″ N, 41°27′40″ O
- Einwohner 1960
- 507
- Einwohner 2021
- 224
- Kirche
- Mor Aho
Quelle der Angaben in dieser Übersicht: Wikipedia, „Yamanlar, Gercüş“. Die dort genannten Zahlen für 1915 widersprechen sich zwischen Fließtext und Tabelle und sind hier deshalb nicht aufgeführt.